Zwischen Zandvoort und Overveen schlängelt sich ein Kopfsteinpflasterweg durch die Dünen. Links und rechts Dünenhänge, ab und zu ein vorbeirasender Zug und nach ein paar Kurven plötzlich ein kleiner Anstieg, den du in den Beinen spürst. Das ist das Visscherspad. Wer hier heute radelt, folgt der Route, auf der jahrhundertelang Frauen und Männer mit einem Korb voller Fisch auf dem Rücken unterwegs waren.
Du erfährst, wo der Weg beginnt und endet, wie er sich fährt, was du unterwegs siehst und warum er so heißt. Und wie du daraus von Zandvoort aus eine schöne Rundtour machst.
Inhaltsverzeichnis:
- Was ist das Visscherspad?
- Die Fischträger: mit einem Kriel voller Fisch nach Haarlem
- Der Verlauf des Weges
- So fährt es sich: Kopfsteinpflaster, Kurven und De Blinkert
- Der Aussichtspunkt und die Wisente im Kraansvlak
- Kraantje Lek: Rastplatz der Fischträger
- Hinter Kraantje Lek: Elswout, Duinlust und die Brouwerskolk
- Eine Rundtour daraus machen
- Welches Fahrrad passt zum Visscherspad?
- Tipps für unterwegs
- Häufig gestellte Fragen
Was ist das Visscherspad?
Der Visscherspad ist ein Rad- und Fußweg durch den Nationalpark Zuid-Kennemerland. Er verbindet Zandvoort mit Kraantje Lek, dem alten Restaurant am Fuß der Düne De Blinkert in Overveen. Der Weg verläuft größtenteils entlang der Bahnstrecke zwischen Zandvoort und Haarlem und ist mit Klinkersteinen gepflastert. Der Name wird auch als Visserspad geschrieben. Climbfinder und Komoot verwenden die alte Schreibweise mit sch.
Laut Haarlem105 war Zandvoort früher ein abgelegenes Fischerdorf, das nur über zwei Wege durch die Dünen erreichbar war. Einer davon führte nach Haarlem. Lange bevor es eine Bahn gab, brachte Zandvoort auf diesem Weg seinen Fisch in die Stadt. Wer den Weg mit dem Fahrrad fährt, erlebt also ein Stück Regionalgeschichte. Auch die Landschaft ist sehenswert: offene Dünen, Buschwerk, ein Aussichtspunkt und am Ende ein traditionsreiches Ausflugslokal.
Für Radfahrer ist der Visscherspad Teil des Radknotenpunktnetzes. Auf der von der ANWB beschriebenen Radtour durch die Kennemerduinen kommst du bei Knotenpunkt 37 auf den Visscherspad.

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Die Fischträger: mit einem Kriel voller Fisch nach Haarlem
Zandvoort war jahrhundertelang ein kleines Fischerdorf. Die Fischer segelten mit ihren flachen Bomschuiten vom Strand aus und brachten den Fang bei Flut wieder an Land. Am Strand verkauften sie den Fisch an die Fischträger. Das waren Frauen und Männer, die den Fisch in der Stadt verkauften.
Die Fischträger transportierten ihre Ware in einem hohen Korb auf dem Rücken. Dieser Korb hieß Kriel. Laut Haarlem105 zogen sie am Anfang des Weges am sogenannten Kousenpaal ihre Schuhe oder Holzschuhe aus. Barfuß liefen sie durch den tiefen Dünensand in Richtung Haarlem. Bei Kraantje Lek machten sie Rast. Dort begann die befestigte Straße, und sie konnten ihre Schuhe wieder anziehen.
Der meiste Fisch wurde auf dem Fischmarkt am Grote Markt in Haarlem verkauft. Wer dort vor zehn Uhr morgens ankam, ließ den Fisch zuerst prüfen. Danach konnte der Verkauf beginnen. Laut Haarlem105 waren die Verkäuferinnen aus Zandvoort auf diesem Markt deutlich in der Überzahl.
Auf dem Rückweg wurde der Erlös gefeiert. Das geschah in einem Gasthaus am Stadtrand von Haarlem, das heute Wapen van Kennemerland heißt. Draußen vor der Tür stand derweil ihr Arbeitsgerät: Eimer und Körbe, die nach einem Tag voller Fisch kräftig rochen. So erhielt das Gasthaus im Volksmund einen Spitznamen, der bis heute bekannt ist: de Stinkende Emmer.
Der Beruf verschwand, als große Dampftrawler vom Hafen in IJmuiden aus zum Fischfang ausliefen. Für die Menschen in Zandvoort blieb immer weniger Fisch übrig, und der Fisch aus IJmuiden wurde mit der Bahn nach Haarlem gebracht. Die Bomschuiten verschwanden vom Strand in Zandvoort – und mit ihnen die Fischträger. Der Weg blieb.
Der Verlauf des Weges
Das Visscherspad verläuft von West nach Ost, von Zandvoort nach Overveen. Laut Oneindig Noord-Holland lag der Weg der Fischträger quer zur alten Durchgangsstraße am inneren Dünenrand. Der heutige Fuß- und Radweg verläuft ungefähr auf der Trasse dieses alten Weges.
In Zandvoort startest du am östlichen Ortsrand, bei der Bahnlinie. Vom Bahnhof Zandvoort aan Zee fährst du entlang der Bahnstrecke zur Sophiaweg, wo der Weg in die Dünen führt. Dann folgst du dem Klinkerweg. Unterwegs kommst du an einer Kreuzung mit der Straße nach Bentveld vorbei. Auf halber Strecke liegt ein Aussichtspunkt. Am Ende erreichst du den Parkplatz von Kraantje Lek an der Duinlustweg.
Möchtest du lieber einer Radknotenpunktroute folgen, hilft dir Knotenpunkt 37 weiter. Die gesamte Route verläuft innerhalb des Nationalparks Zuid-Kennemerland. Weitere Tipps findest du in unserem Guide zum Radfahren im Nationalpark Zuid-Kennemerland ab Zandvoort.

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So fährt es sich: Kopfsteinpflaster, Kurven und De Blinkert
Der Visscherspad ist kein schnurgerader Radweg. Er verläuft mit den Dünen auf und ab, mit Kurven, kurzen Abfahrten und kleinen Hügeln. Radfahrer auf Climbfinder beschreiben ihn als welligen Weg, der sich bei etwas Tempo wie eine Achterbahn anfühlt. Die Klinkersteine sind ihrer Meinung nach ordentlich und eben verlegt.
Der anstrengendste Abschnitt kommt am Ende, in Richtung Kraantje Lek. Dort liegt De Blinkert, eine der bekanntesten Dünen der Region. Climbfinder hat den Anstieg über den Visscherspad vermessen: 1,8 Kilometer lang, mit 26 Höhenmetern und einer durchschnittlichen Steigung von 1,4 Prozent. Der steilste Abschnitt von 100 Metern erreicht 5,7 Prozent. Der höchste Punkt liegt 25 Meter über dem Meeresspiegel.
Das klingt bescheiden – und das ist es auch. Laut Climbfinder ist der Anstieg nicht anspruchsvoll genug für eine Bergkategorie, und auch untrainierte Radfahrer kommen problemlos hinauf. Trotzdem bezeichnet Climbfinder ihn als längsten Anstieg in Noord-Holland. Auf einem normalen Fahrrad spürst du ihn bei Gegenwind durchaus.
Denk daran, dass du den Weg mit Fußgängern teilst. An einem sonnigen Sonntag kann es voll werden. Bremse daher in den Kurven ab und klingele kurz, wenn du jemanden überholst.
Der Aussichtspunkt und die Wisente im Kraansvlak
Etwa auf halber Strecke liegt ein Aussichtspunkt. Stell dein Fahrrad am Rand ab und geh ein Stück bergauf. Oben blickst du über die Dünen bis hinüber nach Zandvoort. Auf der anderen Seite der Bahnlinie liegt laut ANWB das Kraansvlak.
Das Kraansvlak ist ein abgesperrtes Dünengebiet im Nationalpark. Dort lebt eine Herde Wisente, europäische Bisons, die in freier Wildbahn beinahe ausgestorben waren. Mit etwas Glück kannst du sie vom Aussichtspunkt aus grasen sehen. Garantiert ist das allerdings nicht, denn die Tiere bewegen sich frei in einem großen Gebiet. Über einen Tracker auf wisenten.nl kannst du sehen, wo sich die Herde ungefähr aufhält.
Möchtest du näher heran? Vom 1. September bis zum 1. März ist der Wisentenpad geöffnet. Das ist ein drei Kilometer langer Wanderweg mitten durch das Lebensgebiet der Wisente. Visit Zandvoort weist darauf hin, dass du immer Abstand halten musst, Hunde nicht erlaubt sind und der Weg für Kinderwagen ungeeignet ist. Dein Fahrrad lässt du dann stehen.

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Kraantje Lek: Rastplatz der Fischträger
Am östlichen Ende des Weges liegt Kraantje Lek. Hier machten die Fischträger Pause, und auch für Radfahrer ist es ein naheliegender Ort für einen Zwischenstopp. Das weiße Haus mit den rot-grünen Fensterläden steht unter Denkmalschutz. An dieser Stelle wurde laut Wikipedia bereits 1542 das Gasthaus Rockaers errichtet. Woher der Name Kraantje Lek stammt, weiß niemand genau.
Für Generationen von Kindern aus Haarlem, Amsterdam und der Umgebung war Kraantje Lek das Ziel des Schulausflugs. Neben dem Restaurant liegt ein Spielplatz, und hinter dem Haus erhebt sich De Blinkert, die steile Düne, auf der Kinder endlos hinauf- und hinunterrannten.
Bekannt ist auch der Holle Boom. Das war eine uralte Ulme mit einem so großen Hohlraum, dass laut Oneindig Noord-Holland bis zu sechs Kinder gleichzeitig hineinkriechen konnten. In Haarlem erzählte man Kindern früher, dass Babys aus diesem Baum kamen. In den 1970er-Jahren starb der Baum ab. Laut ANWB wurde er von Sturm und Blitz getroffen. 2007 fertigte der Haarlemer Bildhauer Kees Verkade einen lebensgroßen Bronzeabguss an. Die Skulptur steht heute neben dem Restaurant.
Wenn du mehr über die Geschichte dieses Ortes lesen möchtest, findest du eine schöne Geschichte bei Oneindig Noord-Holland.
Hinter Kraantje Lek: Elswout, Duinlust und die Brouwerskolk
Bei Kraantje Lek endet das Visscherspad, doch die Umgebung steckt voller Geschichten. Gegenüber dem Restaurant liegt das Landgut Elswout, ein Landsitz aus dem Jahr 1634. Laut ANWB ist Elswout kostenlos zugänglich, allerdings musst du vor dem Eingang ein gutes Stück Umweg in Kauf nehmen. Etwas weiter vorne siehst du links vom Radweg Duinlust liegen, ein Landhaus aus dem Jahr 1881 mit Türmchen und Treppengiebeln.
Kurz hinter Duinlust überquerst du den Zanderijvaart. Von 1850 bis 1948 wurden hier Kähne mit Dünensand nach Haarlem und Amsterdam gebracht. Der Sand wurde für den Bau neuer Wohnviertel verwendet. Auch der Brouwerskolk verrät mit seinem Namen seine Geschichte. Im 17. Jahrhundert holten die Haarlemer Bierbrauer hier sauberes Wasser. Das Wasser aus den Stadtgräben war dafür nicht geeignet.
So erlebst du auf einer kurzen Tour, wie die Dünen über Jahrhunderte genutzt wurden: als Fußweg für den Fischhandel, als Sandgrube für die Stadt und als Wasserquelle für die Bierbrauer.
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Eine Rundtour daraus machen
Das Visscherspad ist eine Strecke von A nach B. Wer nicht denselben Weg zurückfahren möchte, macht eine Rundtour daraus.
- Entlang der Küste zurück. Von Kraantje Lek fährst du über Overveen zur Zeeweg und durch die Dünen nach Bloemendaal aan Zee. Dort folgst du der Küste zurück nach Zandvoort. Unterwegs kommst du am Eingang Koevlak vorbei, wo sich das Besucherzentrum des Nationalparks befindet.
- Mit einem zusätzlichen Anstieg. Wenn du sportlich bist, fährst du von Kraantje Lek weiter nach Bloemendaal und erklimmst das Kopje van Bloemendaal, den bekanntesten Aussichtspunkt der Region.
- Weiter nach Haarlem. Von Kraantje Lek bist du schnell in Haarlem. Mach es wie früher die Fischträger und radle weiter zum Grote Markt. Dort kannst du auf einer Terrasse einen Kaffee trinken.
Welches Fahrrad passt zum Visscherspad?
Der Visscherspad ist befestigt und lässt sich daher mit jedem Fahrrad befahren. Trotzdem beeinflusst die Wahl des Fahrrads, wie du die Tour erlebst.
- Citybike. Ideal für alle, die gemütlich unterwegs sind und nichts dagegen haben, bei De Blinkert kurz kräftig in die Pedale zu treten.
- E-Bike. Mit einem E-Bike bewältigst du die Hügel und den Gegenwind mühelos. Praktisch, wenn du eine längere Rundtour daraus machst oder nicht oft Rad fährst.
- Fatbike. Praktisch, wenn du unterwegs auch über einen Sandweg oder den Strand fahren möchtest. Auf den Klinkersteinen fährt sie sich robust und stabil.
- Kinderfahrrad oder Kindersitz. Kinder, die schon sicher selbst fahren, schaffen den Weg. Achte in den Kurven und bei viel Verkehr gut auf sie.
Kein eigenes Fahrrad dabei? Miete eines bei Behind the Beach in Zandvoort, in der Haltestraat, nur wenige Fahrradminuten vom Weganfang entfernt.

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Tipps für unterwegs
- Starte an einem schönen Tag früh. Morgens ist auf dem Weg am wenigsten los. Mittags und am Wochenende sind viele Radfahrer unterwegs.
- Nimm etwas zu trinken mit. Unterwegs gibt es keine Geschäfte. Bei Kraantje Lek kannst du aber etwas essen und trinken.
- Mach am Aussichtspunkt Halt. Viele fahren einfach daran vorbei. Schade, denn gerade dort sieht man, wie die Dünenlandschaft aufgebaut ist.
- Nimm ein Fernglas mit. Damit hast du bessere Chancen, die Wisente im Kraansvlak zu sehen.
- Bleib auf dem Weg. Der Nationalpark ist ein geschütztes Naturschutzgebiet. Abseits der Wege darf nicht Rad gefahren werden.
- Komm mit dem Zug. Der Bahnhof Zandvoort aan Zee liegt ganz in der Nähe des Weganfangs. So musst du keinen Parkplatz suchen.
Häufig gestellte Fragen
Warum heißt der Weg Visscherspad?
Der Weg ist nach den Fischträgern aus Zandvoort benannt. Jahrhundertelang liefen sie auf dieser Route durch die Dünen, um Fisch auf dem Markt in Haarlem zu verkaufen. Der heutige Radweg verläuft ungefähr auf der Strecke ihres alten Weges.
Wo beginnt und endet der Visscherspad?
Der Weg beginnt am östlichen Rand von Zandvoort, an der Sophiaweg in der Nähe der Bahnlinie. Er endet am Parkplatz von Kraantje Lek an der Duinlustweg in Overveen.
Darf man auf dem Visscherspad Rad fahren?
Ja. Der Visscherspad ist ein befestigter Radweg mit Klinkerbelag und Teil des Radknotenpunktnetzes. Du teilst den Weg allerdings mit Fußgängern, also passe deine Geschwindigkeit an.
Ist der Visscherspad anstrengend zu fahren?
Nein. Der Weg verläuft wellig durch die Dünen. Am Ende wartet der Anstieg zur De Blinkert: 1,8 Kilometer mit durchschnittlich 1,4 Prozent Steigung. Mit einem normalen Fahrrad kommst du überall hinauf. Mit einem E-Bike spürst du die Steigungen und den Wind kaum.
Kann man Wisente vom Visscherspad aus sehen?
Manchmal. Vom Aussichtspunkt auf halber Strecke blickst du auf das Kraansvlak, wo eine Herde Wisente lebt. Ob sie zu sehen sind, hängt davon ab, wo die Herde an diesem Tag grast. Vom 1. September bis zum 1. März kannst du außerdem zu Fuß den Wisentenpad erkunden.
Was ist die Stinkende Emmer?
So hieß das Gasthaus, in dem die Fischträger auf dem Rückweg aus Haarlem etwas tranken. Die Fischeimer und Körbe, die sie draußen abstellten, rochen so stark, dass der Spitzname blieb. Heute heißt das Lokal Wapen van Kennemerland.






